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JTM45 Board – Teil III

JTM45 Board – Teil III

Heute steht das JTM45 Board auf dem Programm.

Zunächst habe ich die Basis des Verstärkers verdrahtet und montiert.
Dazu gehören:

  • die Röhrenheizungen
  • die Netzversorgungsseite des Netztrafos
  • die Sekundärseite des Trafos
  • die Gleichrichterröhre
  • Power-Schalter
  • Standby-Schalter
  • Röhrensockel der Endstufenröhren

Zusätzlich zum normalen JTM45 kommen hier noch die Bias-Platine und das Power-Scaling-System hinzu.

Im Moment sieht das Ganze noch etwas unfertig und chaotisch aus – aber das wird. Keine Sorge.

JTM45 Chassis offen
Der aktuelle Stand – die Basisverdrahtung ist abgeschlossen.

Jetzt hat der Amp einen Zustand erreicht, bei dem ich mein Gehirn endlich etwas auf Auto-Pilot schalten kann.
Was jetzt folgt, unterscheidet sich nicht groß von jeder anderen JTM45-Montage.

Das JTM45 Board

JTM45 Board
Das bestückte Board – die gelben Kondensatoren sind SoZo Mustards.

Bis auf die SoZo Mustard-Kondensatoren unterscheidet sich das Board kaum von einem Standard-JTM45-Layout.
Ganz links habe ich einige zusätzliche Bauteile vorgesehen, um die Röhrenheizung auf ein höheres Spannungspotential (etwa 60 V) zu legen.
Das bringt zwei Vorteile:

  1. Das Heizungsbrummen verringert sich.
  2. Die Röhren werden näher an ihren Spezifikationen betrieben – besonders die Katodenfolger-Stufe, die das Tone-Stack treibt.

Der Spieler merkt davon später nichts, aber bestimmte Röhrentypen (z. B. einige von Electro Harmonix oder Sovtek) reagieren empfindlich auf zu geringe Heizspannungspotentiale.
Das Hochlegen der Heizung verhindert solche Probleme von vornherein.

Vergleich: Standard JTM45 vs. ÜBER JTM45

JTM45 Standard und Über
Oben: Standard JTM45 – unten: der neue ÜBER JTM45. Trotz zusätzlicher Schaltung kaum mehr Platz.

Beim Standard JTM45 (oben) fehlen hier noch die großen Siebelkos,
aber man sieht deutlich: auch dort ist schon mehr Platz als in meiner neuen Version.

Der nächste Schritt wird sein, das Turret-Board ins Chassis einzusetzen und zu allen Bauteilen,
wie Röhrensockeln und Potentiometern, zu verdrahten.

Wenn alles weiter so läuft, wird das wohl der vorletzte Baubericht dieser Serie.
Der spannendste Teil kommt erst noch – die Inbetriebnahme und der Test.

Ick bin jespannt!

Hier geht’s zu
Teil I
und
Teil II
des Bauberichts.

Point to Point versus Leiterplatte

Point to Point versus Leiterplatte

Gitarrenverstärker mit point-to-point Verdrahtung sagt man besseren Ton und längere Haltbarkeit nach. Oft heißt es: point-to-point sei besser als der Aufbau mit Leiterplatte.

Stimmt das?

Früher, in den Kindertagen der Röhrentechnik, gab es nur eine Verdrahtungsart: point-to-point. Ein deutsches Wort fehlt – „Stützpunktverdrahtung“ trifft es ganz gut.

Bauteile wie Drähte, Widerstände und Kondensatoren werden an gemeinsamen Lötstützpunkten verbunden. Diese Stützpunkte können die Pins von Röhrensockeln sein, Lötleisten mit vielen Lötpunkten, Eyelet-Boards (Nieten) oder Turret-Boards (turmartige Lötstützpunkte). Das folgende Bild zeigt eine point-to-point Verdrahtung mit Eyelet-Board.

Eyelet-Aufbau Gitarrenverstärker, point-to-point
Bauteile eines Tweed-Verstärkers auf einem Eyelet-Board montiert.
Bestücktes Eyelet-Board
Eyelet-Board, bestückt und vorverdrahtet.

Alle Bauteile werden auf dem Eyelet-Board verlötet und von dort zu den Röhrensockeln geführt. Gegenüber „richtigem“ point-to-point (ohne Board, dazu gleich mehr) hat das den Vorteil, dass sich das Board vorbestücken lässt. Es wird dann ins Chassis eingesetzt und zu Sockeln, Potis und Buchsen verdrahtet.

So konnte man – ähnlich wie in der Autoproduktion – in Arbeitsschritten bauen: Eine Gruppe bestückt Boards, die andere verdrahtet sie im Verstärker.

Turret-Boards sind eine weitere Spielart. Turrets sind einfach andere Lötstützpunkte. Warum Fender oft Eyelets und Marshall oft Turrets nutzte, kann ich nicht sicher sagen – vermutlich Verfügbarkeit und Preis.

Turret-Board im 18W Chassis
Turret-Board im 18W Chassis.

Die Hardcore-Fraktion ruft jetzt: „Das ist doch kein echtes point-to-point!“ Stimmt im Prinzip. Richtiges point-to-point kommt ohne Boards aus. Bauteile werden direkt an Röhrensockel oder Lötleisten gelötet. Das ist aufwendig und verlangt Erfahrung – entsprechend teuer war die Produktion. Große Hersteller sind deshalb schnell auf Boards umgestiegen. Heute meint „point-to-point“ meist: mit Eyelet- oder Turret-Board aufgebaut.

SUN Spectrum, echter point-to-point Aufbau
SUN Spectrum mit echtem point-to-point Aufbau (ohne Board).

Nach und nach verdrängten Leiterplatten (PCB) diese Bauweisen. Bauteile werden durch die Platine gesteckt und verlötet; die Verbindungen übernehmen Kupferbahnen. Layouts entstehen am Computer, die Fertigung ist automatisiert. Für die Serienproduktion ist das sinnvoll.

Der schlechte Ruf von PCBs in Gitarrenamps hat historische Gründe. Frühe Platinen waren oft einseitig, dünn und mit schwachem Kleber – Kupferbahnen lösten sich, Verbindungen brachen. In Gitarrenverstärkern ist das kritisch:

  • Wechselnde Umgebungstemperaturen (Transport, Proberaum).
  • Hohe Innentemperaturen durch Röhren.
  • Vibrationen – besonders im Combo.
  • Feuchtigkeit im Proberaum.
  • Schwere Bauteile belasten Lötstellen und Leiterbahnen.

Eine Platine muss das aushalten. Gute, doppelseitige, durchkontaktierte PCBs tun das. Sie kosten aber mehr – und von außen sieht man die Qualität nicht.

Leiterplatte im BUDDA Amp
Vernünftige PCB in einem BUDDA Amp: doppelseitig, durchkontaktiert, große Pads.
Einfache, einseitige Leiterplatte
Einfache, einseitige Platine mit dünnem Kupfer und kleinen Pads.

Zum Vergleich rechts ein beliebter Serienamp, bei dem stark gespart wurde. Solche Geräte sind Dauergäste auf der Werkbank – gerissene Lötstellen, abgehobene Leiterbahnen.

Vorteile point-to-point

  • Lötstützpunkte sind elektrische Verbindung und mechanische Halterung.
  • Jede Lötstelle wird von Hand gesetzt. Sorgfalt vorausgesetzt, sehr zuverlässig.
  • Weniger parasitäre Kapazitäten durch freie Verdrahtung – das kann sich klanglich positiv auswirken.
Eyelet/Turret Details
Sauber angelötete Eyelets/Turrets halten mechanisch sehr gut.

Nachteile point-to-point

  • Nicht für Massenproduktion geeignet.
  • Mehr Handarbeit, daher teurer.
  • Wo Menschen löten, können Fehler passieren.

Vorteile der Leiterplatte

  • Ordentliche, reproduzierbare Struktur.
  • Schnelle, kosteneffiziente Serienfertigung.
  • Jedes Gerät ist gleich aufgebaut; enge Toleranzen möglich.

Nachteile der Leiterplatte

  • Dauerhaftigkeit hängt stark von Qualität der PCB und der Lötung ab.
  • Schwere Bauteile und Vibrationen können Leiterbahnen belasten.
  • Parasitäre Kapazitäten zwischen Bahnen können Klang und Phasenlage beeinflussen.
Einseitige Leiterplatte
Einseitige PCB: mechanisch empfindlicher.
Abgerissene Leiterbahn / Lötstelle
Typischer Schaden: abgehobene Leiterbahn, gebrochene Lötstelle.

Fazit: point-to-point vs. PCB

95 % der Gitarristen spielen störungsfrei über Amps mit Leiterplatten. Die Löttechnik – auch bleifrei – ist heute besser als früher. Hochwertige Geräte setzen auf durchkontaktierte, doppelseitige PCBs.

Mit allen Bauweisen lassen sich – richtig gemacht – gut klingende, langlebige Amps bauen. Was man bevorzugt, ist am Ende auch eine Frage der Ästhetik. Ich mag point-to-point. Meine privaten Amps sind so aufgebaut. Für eine kleine Serie würde ich wahrscheinlich sehr gute PCBs wählen – wegen Kosten-/Nutzen-Verhältnis und konstanter Qualität.

Wie seht ihr das? Erfahrungen gern in die Kommentare.