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Point to Point versus Leiterplatte

Point to Point versus Leiterplatte

Gitarrenverstärker mit point-to-point Verdrahtung sagt man besseren Ton und längere Haltbarkeit nach. Oft heißt es: point-to-point sei besser als der Aufbau mit Leiterplatte.

Stimmt das?

Früher, in den Kindertagen der Röhrentechnik, gab es nur eine Verdrahtungsart: point-to-point. Ein deutsches Wort fehlt – „Stützpunktverdrahtung“ trifft es ganz gut.

Bauteile wie Drähte, Widerstände und Kondensatoren werden an gemeinsamen Lötstützpunkten verbunden. Diese Stützpunkte können die Pins von Röhrensockeln sein, Lötleisten mit vielen Lötpunkten, Eyelet-Boards (Nieten) oder Turret-Boards (turmartige Lötstützpunkte). Das folgende Bild zeigt eine point-to-point Verdrahtung mit Eyelet-Board.

Eyelet-Aufbau Gitarrenverstärker, point-to-point
Bauteile eines Tweed-Verstärkers auf einem Eyelet-Board montiert.
Bestücktes Eyelet-Board
Eyelet-Board, bestückt und vorverdrahtet.

Alle Bauteile werden auf dem Eyelet-Board verlötet und von dort zu den Röhrensockeln geführt. Gegenüber „richtigem“ point-to-point (ohne Board, dazu gleich mehr) hat das den Vorteil, dass sich das Board vorbestücken lässt. Es wird dann ins Chassis eingesetzt und zu Sockeln, Potis und Buchsen verdrahtet.

So konnte man – ähnlich wie in der Autoproduktion – in Arbeitsschritten bauen: Eine Gruppe bestückt Boards, die andere verdrahtet sie im Verstärker.

Turret-Boards sind eine weitere Spielart. Turrets sind einfach andere Lötstützpunkte. Warum Fender oft Eyelets und Marshall oft Turrets nutzte, kann ich nicht sicher sagen – vermutlich Verfügbarkeit und Preis.

Turret-Board im 18W Chassis
Turret-Board im 18W Chassis.

Die Hardcore-Fraktion ruft jetzt: „Das ist doch kein echtes point-to-point!“ Stimmt im Prinzip. Richtiges point-to-point kommt ohne Boards aus. Bauteile werden direkt an Röhrensockel oder Lötleisten gelötet. Das ist aufwendig und verlangt Erfahrung – entsprechend teuer war die Produktion. Große Hersteller sind deshalb schnell auf Boards umgestiegen. Heute meint „point-to-point“ meist: mit Eyelet- oder Turret-Board aufgebaut.

SUN Spectrum, echter point-to-point Aufbau
SUN Spectrum mit echtem point-to-point Aufbau (ohne Board).

Nach und nach verdrängten Leiterplatten (PCB) diese Bauweisen. Bauteile werden durch die Platine gesteckt und verlötet; die Verbindungen übernehmen Kupferbahnen. Layouts entstehen am Computer, die Fertigung ist automatisiert. Für die Serienproduktion ist das sinnvoll.

Der schlechte Ruf von PCBs in Gitarrenamps hat historische Gründe. Frühe Platinen waren oft einseitig, dünn und mit schwachem Kleber – Kupferbahnen lösten sich, Verbindungen brachen. In Gitarrenverstärkern ist das kritisch:

  • Wechselnde Umgebungstemperaturen (Transport, Proberaum).
  • Hohe Innentemperaturen durch Röhren.
  • Vibrationen – besonders im Combo.
  • Feuchtigkeit im Proberaum.
  • Schwere Bauteile belasten Lötstellen und Leiterbahnen.

Eine Platine muss das aushalten. Gute, doppelseitige, durchkontaktierte PCBs tun das. Sie kosten aber mehr – und von außen sieht man die Qualität nicht.

Leiterplatte im BUDDA Amp
Vernünftige PCB in einem BUDDA Amp: doppelseitig, durchkontaktiert, große Pads.
Einfache, einseitige Leiterplatte
Einfache, einseitige Platine mit dünnem Kupfer und kleinen Pads.

Zum Vergleich rechts ein beliebter Serienamp, bei dem stark gespart wurde. Solche Geräte sind Dauergäste auf der Werkbank – gerissene Lötstellen, abgehobene Leiterbahnen.

Vorteile point-to-point

  • Lötstützpunkte sind elektrische Verbindung und mechanische Halterung.
  • Jede Lötstelle wird von Hand gesetzt. Sorgfalt vorausgesetzt, sehr zuverlässig.
  • Weniger parasitäre Kapazitäten durch freie Verdrahtung – das kann sich klanglich positiv auswirken.
Eyelet/Turret Details
Sauber angelötete Eyelets/Turrets halten mechanisch sehr gut.

Nachteile point-to-point

  • Nicht für Massenproduktion geeignet.
  • Mehr Handarbeit, daher teurer.
  • Wo Menschen löten, können Fehler passieren.

Vorteile der Leiterplatte

  • Ordentliche, reproduzierbare Struktur.
  • Schnelle, kosteneffiziente Serienfertigung.
  • Jedes Gerät ist gleich aufgebaut; enge Toleranzen möglich.

Nachteile der Leiterplatte

  • Dauerhaftigkeit hängt stark von Qualität der PCB und der Lötung ab.
  • Schwere Bauteile und Vibrationen können Leiterbahnen belasten.
  • Parasitäre Kapazitäten zwischen Bahnen können Klang und Phasenlage beeinflussen.
Einseitige Leiterplatte
Einseitige PCB: mechanisch empfindlicher.
Abgerissene Leiterbahn / Lötstelle
Typischer Schaden: abgehobene Leiterbahn, gebrochene Lötstelle.

Fazit: point-to-point vs. PCB

95 % der Gitarristen spielen störungsfrei über Amps mit Leiterplatten. Die Löttechnik – auch bleifrei – ist heute besser als früher. Hochwertige Geräte setzen auf durchkontaktierte, doppelseitige PCBs.

Mit allen Bauweisen lassen sich – richtig gemacht – gut klingende, langlebige Amps bauen. Was man bevorzugt, ist am Ende auch eine Frage der Ästhetik. Ich mag point-to-point. Meine privaten Amps sind so aufgebaut. Für eine kleine Serie würde ich wahrscheinlich sehr gute PCBs wählen – wegen Kosten-/Nutzen-Verhältnis und konstanter Qualität.

Wie seht ihr das? Erfahrungen gern in die Kommentare.

Gitarrenverstärker – pedalfreundlich ?

Gitarrenverstärker – pedalfreundlich ?

„Ich suche einen pedalfreundlichen Amp – wer kann helfen?“

So, oder ähnlich, liest man es oft in Gitarren-Foren. Dann kommen Antworten wie: „Mein Amp XY kann super mit Pedalen!“ – hilft selten weiter. Sinnvoller ist die Frage, was einen pedalfreundlichen Verstärker überhaupt ausmacht.

Was heißt „pedalfreundlich“?

  • Ein Amp soll auf einen Booster nicht nur mit mehr Zerre reagieren, sondern auch hörbar lauter werden – ohne Matschen.
  • Mit Overdrive/Distortion soll der Amp den Charakter des Pedals tragen: mehr Obertöne, mehr Dichte – aber der Sound bleibt definiert.
  • Zeitbasierte Effekte (Delay, Chorus, Phaser, Flanger) machen das Signal meist nicht lauter. Mit ihnen kommen die meisten Amps gut klar. Wer einen Effektweg hat, kann sie dort oft besser platzieren. Geschmackssache.
Electro-Harmonix Memory Toy
Mein Lieblings-Delay: klein, einfach, musikalisch.

Was macht BOD-Pedale heikel?

Boost/Overdrive/Distortion (BOD) heben den Pegel an. OD/Distortion fügen Obertöne hinzu. Das Ergebnis am Amp-Eingang ist oft lauter und komplexer zugleich.

Entscheidend ist die erste Vorstufe. Sie bringt das Gitarrensignal auf Arbeitshöhe und kann – je nach Design – schon selbst färben und leicht verzerren. Wenn dort bereits viel Gain steckt, wird das Zusammenspiel mit BOD schnell kritisch: zu viel des Guten führt zu Brei. Zwei Zerrer hintereinander zeigen das sehr deutlich – ohne Feintuning wird es schnell unkontrolliert.

Big Muff
Fuzz & Co.: macht Spaß – braucht aber den passenden Amp.

Auch die Frequenzbetonung spielt mit. Betont das Pedal z. B. Bässe und der Amp ebenfalls, addiert sich das – das Ergebnis wird schwammig. Ein Treble-Booster vor einem ohnehin hellen Amp klingt schnell zu spitz. Abhilfe: sinnvolle Tone-Regelung am Pedal und/oder am Amp.

Welche Amp-Architektur hilft?

  1. Vorstufe mit moderatem Gain. Klassische Clean/Crunch-Amps (viele Fender-Designs und ähnliche) fahren das Gain so, dass die Endstufe sauber angesteuert wird. Sie reagieren gut auf Anschlag, Volumepoti und BOD davor. High-Gain-Vorstufen mit maximaler Stufenverstärkung sind deutlich empfindlicher auf Pegeländerungen vom Pedal.
  2. Pedal mit Gain und Tone. Ein regelbarer Ausgangspegel plus effektive Klangregelung am Pedal hilft, das Voicing zum Amp passend zu formen und „zu viel des Guten“ zu vermeiden.

Praxis-Tipps

  • Gain staffeln: Am Pedal nicht alles aufreißen. Erst Level, dann Gain. Am Amp die Eingangsstufe nicht am Limit fahren.
  • EQ entzerren: Pedal-Frequenzbetonung und Amp-Voicing gegeneinander ausbalancieren (Bässe im Pedal runter, wenn der Amp untenrum stark ist, usw.).
  • Delay/Modulation: Wenn vorhanden, in den Effektweg. Vor dem Input klingt es „schmutziger“ – kann gewollt sein.

Fazit

Pedalfreundliche Amps sind meist einfach gehaltene Designs mit maßvollem Vorstufen-Gain und gutem Clean-Grundton. Dann bilden sie Booster, Overdrives und Distortions sauber ab und bleiben kontrolliert – ohne Matsch. Der Rest ist Abstimmung: Pegel, EQ und Spieltechnik.

Volumepoti – Butter bei die Fische !!

Volumepoti – Butter bei die Fische !!

Volumepoti ohne Ende. Hört der denn nie auf?

Es gab einen Anlass, das Thema noch einmal aufzunehmen. Heute gab meine Werkstatt-Testgitarre plötzlich keinen Ton mehr von sich.

Nach den theoretischen Beiträgen Volumepoti – Teil I, Teil II und Was tun? war es Zeit für Praxis. Auf geht’s.

Das Instrument

Stratocaster-Kopie, Werkstattgitarre
Werkstatt-Strat: vor Jahren in Taiwan gekauft, später von Levi Kordesee überarbeitet (Hals entlackt, Knochensattel, Setup).

Die Gitarre habe ich vor etwa 15 Jahren in Taiwan gekauft. Später hat sie mein Freund und Gitarrenbauer Levi Kordesee in Dresden sinnvoll überarbeitet. Danke, Levi. Er arbeitet heute bei Göldo und ist dort gut aufgehoben.

Ziel: Treble-Bleed am Volumepoti

Wir bauen das „Standard-Set“ ein: 150 kΩ Widerstand parallel zu 680 pF Kondensator (Treble-Bleed). Das verhindert, dass beim Zurückdrehen der Höhenanteil verschwindet.

Werkzeug und Bauteile für Treble-Bleed
Saitenkurbel, 680 pF Silver-Mica, 150 kΩ, Seitenschneider/Zange, Lötkolben.

Diese Kombination habe ich dutzendfach in Kunden-Gitarren verbaut. Die Rückmeldungen waren bisher durchweg positiv. Bauteile gibt es z. B. bei Reichelt oder Conrad.

Fehler finden

Pickguard geöffnet, Blick aufs Elektronikfach
Pickguard umgedreht: großzügige Fräsung, kaum Abschirmung.

Nach dem Saitenabnehmen lässt sich das Pickguard umdrehen. Die Elektronikkammer ist sehr großzügig gefräst, Abschirmung fehlt. Die Potis sind okay, aber austauschwürdig. Die Tonabnehmer sind schwach – Blockmagnet unter Singlecoils ist keine gute Idee.

Der eigentliche Ausfall: an der billigen Klinkenbuchse war das zu kurze Kabel abgerissen. Lösung: Switchcraft-Buchse einbauen.

Einbau Treble-Bleed

Abstände der Poti-Pins prüfen. Beinchen von Widerstand und Kondensator passend kürzen.

150k und 680pF vorbereitet
150 kΩ und 680 pF zugeschnitten – bereit für die Lötstelle.

Beide Bauteile parallel auf das Volumepoti löten (zwischen Eingang und Ausgang des Potis). Sauber arbeiten, kurze Wege, keine kalten Lötstellen.

Ergebnis

Neue Switchcraft-Buchse rein, Treble-Bleed drauf – die Werkstatt-Gitarre läuft wieder. Und sie dämpft beim Zurückdrehen nicht mehr sofort die Höhen. So wird aus dem schlichten Instrument langsam ein brauchbares Werkzeug.

Hinweise

  • 150 kΩ/680 pF ist ein guter Start. Je nach Pickups können 120–220 kΩ und 560–1000 pF sinnvoll sein.
  • Singlecoils mögen oft etwas weniger Kapazität, Humbucker manchmal mehr Widerstand.
  • Bauteile möglichst nah am Poti platzieren. Kurze, stabile Lötungen.

Probiert es aus. Wenn ihr gute Kombinationen gefunden habt: gern in die Kommentare.

Tone Sucking – was ist das ?

Tone Sucking – was ist das ?

Für „Tone Sucking“ gibt es im Deutschen keine wirklich elegante Übersetzung.
„Ton saugen“ wäre zwar wörtlich korrekt – klingt aber, naja … seltsam.

Worum geht’s?

Die beste und direkteste Art, den eigenen Gitarrenton auf die Bühne zu bringen, lautet ganz einfach:

Gitarre → gutes Kabel → Gitarrenverstärker (am besten Röhrenamp!)

Das ist pur, ehrlich – und klingt meist schon hervorragend.
Tone Sucking ist dabei kein Thema.

Tone Sucking vor dem Gitarrenverstärker
Tone Sucking durch ein Wah-Wah-Pedal vor dem Gitarrenverstärker.

Aber ohne Wah-Wah, Overdrive, Chorus, Delay, Phaser oder Tremolo ist das für viele Gitarristen eben nur der halbe Spaß.
Also: wir brauchen Pedale.

Mit einer längeren Pedalkette vor dem Amp kann es aber passieren, dass Euer Ton „gesaugt“ wird –
er verliert an Brillanz, Durchsetzungskraft und Dynamik.
Das ist das berüchtigte Tone Sucking.

Wie stark dieser Effekt auftritt, hängt von der Bauart der Pedale ab.
Besonders ältere Effekte, passive Volume-Pedale oder Wah-Wahs sind hier bekannt als „Ton-Killer“.

Wie kommt es zu Tone Sucking?

Technik-Alarm!
Wer lieber gleich zur Lösung springen möchte, klickt hier.

Vorweg ein kurzer Blick auf den Begriff Impedanz:

Die Impedanz (Z) ist im Grunde das Gleiche wie der elektrische Widerstand (R)
mit dem Unterschied, dass sie frequenzabhängig ist.
Während der Widerstand für alle Frequenzen gleich bleibt,
ändert sich die Impedanz mit der Tonhöhe bzw. der Frequenz des Signals.

  • Bei steigender Frequenz wird die Impedanz eines Kondensators kleiner.
  • Bei steigender Frequenz wird die Impedanz einer Spule größer.

Damit zurück zum Tone Sucking:

Tonabnehmer Impedanz
Der Tonabnehmer vereint eine Spannungsquelle und eine innere Impedanz. Diese ist bei der Resonanzfrequenz am größten.

Ein Gitarren-Tonabnehmer ist ein komplexes Gebilde aus Spule, kapazitiven Anteilen und ohmschem Widerstand.
Seine Gesamtimpedanz verändert sich mit der gespielten Tonhöhe –
bei höheren Tönen steigt sie an, bei tiefen Tönen sinkt sie.
An der Resonanzfrequenz des Tonabnehmers ist sie am größten
(mehr dazu hier).

Was passiert, wenn wir ein Pedal anschließen?

Jedes Pedal besitzt eine Eingangs- und eine Ausgangsimpedanz.
Für uns ist die Eingangsimpedanz entscheidend.
Betrachten wir die Kombination aus Tonabnehmer (Z₁) und Pedal (Z₂) –
sie liegen in Reihe und bilden einen Spannungsteiler.

Tonabnehmer Tone Sucking Diagramm
Spannungsteiler zwischen Tonabnehmer (Z₁) und Pedal (Z₂).

Die vom Tonabnehmer erzeugte Spannung teilt sich auf beide Impedanzen auf.
Sind Z₁ und Z₂ gleich groß, bekommt das Pedal nur noch die Hälfte des Signals – 50 %.
Ein klassischer Spannungsteiler.

Ein Praxisbeispiel:

  • Tonabnehmerimpedanz Z₁ = 15 kΩ
  • Pedaleingangsimpedanz Z₂ = 100 kΩ
  • Ausgangsspannung des Tonabnehmers = 1 V

Ergebnis:
Die Spannung am Pedal sinkt von 1 V auf 0,85 V – wir verlieren rund 13 % des Signals.

Hat das Pedal (z. B. durch einen bipolaren Transistor) nur 47 kΩ Eingangsimpedanz,
liegt die Spannung bei 0,74 V – also 25 % Verlust!

„Egal, dann verstärke ich das Signal eben wieder!“ – könnte man sagen.
Aber: Jede Verstärkung bringt Rauschen und Verzerrungen mit.

Und es kommt noch schlimmer!

Wir erinnern uns:
Die Impedanz des Tonabnehmers steigt mit der Frequenz.
Bei der Resonanzfrequenz kann sie sich gegenüber tiefen Frequenzen sogar verzehnfachen!

Das heißt: Je höher der Ton, desto mehr Spannung fällt am Tonabnehmer selbst ab –
und desto weniger kommt beim Pedal an.
Die Höhen verschwinden, der Sound wird dumpf.

Willkommen beim Tone Sucking.

Wie Ihr das verhindern könnt, erfahrt Ihr im zweiten Teil:
„Tone Sucking – was tun?“

Volumepoti Höhenverlust – was tun ?

Volumepoti Höhenverlust – was tun ?

In Teil I und Teil II dieser Reihe ging es um die Ursachen für Höhenverluste beim Zurückdrehen des Volumepotis.

Jetzt wird es praktischer:

Was können wir gegen das Volumepoti-Problem tun?

Möglichkeit 1: Kürzeres oder kapazitätsarmes Kabel

Ein kürzeres Gitarrenkabel oder eines mit geringerer Kapazität erhöht die Resonanzfrequenz des Tonabnehmers. Das macht den Klang oft brillanter und offener.

Warum das so ist, steht hier:
Tonabnehmer-Typen und ihre Eigenschaften.

Möglichkeit 2: Aktives Volumenpedal

Ein gutes, aktives Volumenpedal beeinflusst den Klang kaum. Es ermöglicht eine saubere Lautstärkeregelung, ohne dass Höhen verloren gehen. Das Volumepoti an der Gitarre wird dabei nicht mehr genutzt, um den Pegel zu steuern.

Möglichkeit 3: Buffer oder Booster vor passivem Volume-Pedal

Ein Buffer vor einem passiven Volumenpedal (also einem Pedal mit einfachem Poti ohne Elektronik) entkoppelt das Gitarrensignal. Das Signal läuft dann über ein kurzes Patchkabel zum Pedal, ohne dass Höhen verloren gehen.

Ein direkt angeschlossenes, passives Volume-Pedal ist kritisch: Es belastet den Tonabnehmer, dämpft dessen Resonanzüberhöhung und verhält sich im Prinzip wie das Volumepoti selbst – inklusive Höhenverlust beim Regeln.

Möglichkeit 4: Überbrückungskondensator am Volumepoti

Mit einem kleinen Kondensator lässt sich das Problem gezielt verbessern. Empfehlenswert sind Metallfilm-Kondensatoren aus dem Elektronikfachhandel.

Ein guter Startwert ist etwa 0,5–1× der Kabelkapazität. Beispiel:
3 m Kabel mit 150 pF/m ergeben 450 pF Gesamtkapazität.
Dann wären 220 pF, 470 pF oder 680 pF sinnvolle Testwerte.

Überbrückungskondensator am Volumepoti
Ein einfacher Kondensator am Volumepoti kann den Höhenverlust deutlich verringern.

Manche Gitarristen kombinieren den Kondensator zusätzlich mit einem parallel geschalteten Widerstand.
Typische Werte: 0,5–1,5× des Poti-Wertes.
Bei einem 250 kΩ-Poti also z. B. 120 kΩ, 250 kΩ oder 330 kΩ.

Je kleiner der Widerstand, desto mehr Mitten und Bassanteile gelangen über die Bypass-Strecke – der Klang bleibt beim Zurückdrehen des Potis ausgewogener.

Einige erprobte Kombinationen aus der Praxis:

Volumepoti mit Kondensator und Widerstand
Volumepoti mit Kondensator und parallel geschaltetem Widerstand.

Fender Stratocaster:

  • 820 pF / 240 kΩ
  • 680 pF / 150 kΩ
  • 820 pF / 150 kΩ

Fender Telecaster:

  • 560 pF / 240 kΩ
  • 680 pF / 150 kΩ

Gibson Les Paul (Steg):

  • 680 pF / 240 kΩ

Gibson Les Paul (Hals):

  • 330 pF / kein Widerstand

Am Ende entscheidet das Ohr.

 

Möglichkeit 5: Aktiver Preamp oder Buffer in der Gitarre

Ein eingebauter Vorverstärker beseitigt den Volumepoti-Effekt vollständig.
Er entkoppelt das Gitarrensignal, stabilisiert die Resonanzfrequenz und reduziert den Einfluss des Kabels. Der Klang bleibt konstant, egal wie lang die Leitung ist.

Manchmal wirkt der Sound dann etwas zu hell. In solchen Fällen kann durch gezielte Beschaltung mit einem Kondensator die Resonanzfrequenz wieder abgesenkt werden. Das sollte ein erfahrener Techniker übernehmen.

Nachteil: Der Preamp braucht eine Stromversorgung – Batterie oder spezielle Versorgung über ein Kabel. Für viele Gitarristen ist das unattraktiv, während Bassisten damit seit Jahrzehnten problemlos leben.